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Inseltipp
02.09.2010
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Madeira will jünger werden

Nach dem Februar-Unwetter leidet Madeira unter einem Besucherrückgang. Mit Preissenkungen und einer Neupositionierung sollen vor allem mehr jüngere Urlauber angezogen werden.

Jeder Gast zählt
Leider müsse er in diesem Jahr seinen Madeira-Urlaub absagen, schrieb der Gast. Denn nach dem schweren Unwetter im Februar sei ja sicher vieles zerstört, vor allem der schöne Park der Quintinha São João oberhalb der Inselhauptstadt Funchal. André Barreto reagierte sofort und antwortete dem Stammgast, dass es in seinem Hotel überhaupt keine Schäden gebe.

"Der hat mir unterstellt, dass ich lüge", erinnert sich der Hoteldirektor. Erst ein Foto mit der aktuellen Tageszeitung im Vordergrund hat den Stammkunden überzeugt. "Wir müssen zur Zeit um jeden Gast kämpfen", sagt Barreto, dessen Familienhotel in einem ehemaligen Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert untergebracht ist.
Hotelinitiative: Quintas da Madeira
Viele Hotels stehen halbleer. Schuld dafür ist - neben der Wirtschaftskrise - auch das schwere Unwetter, das auf der Atlantikinsel zahlreiche Berghänge zum Abrutschen brachte, Straßen überflutete und ganze Häuser wegriss. Doch inzwischen sind fast alle Schäden behoben. "Wir müssen die Krise viel stärker nutzen, um Madeira neu zu positionieren", sagt der Hotelbesitzer, der sein Haus gemeinsam mit neun anderen Familienhotels zu den Quintas da Madeira zusammengeschlossen hat. Viele der Quintas stammen noch aus der Zeit, als Adelsfamilien auf die fruchtbare Insel kamen und dort - oft an den landschaftlich schönsten Stellen - ihre herrschaftlichen Landsitze mit weitläufigen, subtropischen Gärten errichteten.

Zu den Quintas da Madeira zählt zum Beispiel die Casa Velha do Palheiro in Funchal. Die 1804 für einen Grafen erbaute Jadgvilla liegt inmitten einer schönen Parkanlage und ist heute ein Landhotel für Gäste mit gehobenen Ansprüchen.
Urlaubsinsel für Jung und Alt
Die üppige Vegetation und das ganzjährig milde Klima zogen Ende des 19.Jahrhunderts auch die ersten Touristen an, vor allem reiche und adlige Briten. Noch heute haftet Madeira das Image eines Reiseziels für ältere und wohlhabende Gäste an. Dabei kann das Preisniveau gut mit dem anderer europäischer Ziele mithalten, und auch für Aktivurlauber hat die Vulkaninsel mit ihren fast 2.000 Meter hohen Bergen, tiefen Schluchten und spektakulären Steilküsten viel zu bieten. "Von unseren 90 Schluchten sind 60 für Canyoning geeignet", sagt Corina Bachmeier, "das sind fast so viele wie in Frankreich. Nur weiß das keiner."

Daher möchte die 27-Jährige die Insel auch für Jüngere bekannter machen und hat vor einem Jahr die Agentur Lokoloko gegründet, in der sie alle Aktiv-Angebote gebündelt hat - vom Paragliding über Mountainbike-Touren bis zum Schwimmen mit Delfinen.

Schon Corina Bachmeiers Großvater war von der Natur Madeiras fasziniert. Als Wanderführer kam er aus Deutschland auf die Insel, blieb dort hängen und kaufte ein kleines Hotel in dem damals noch völlig unbekannten Ort Caniço Baixo östlich der Inselhauptstadt Funchal. Heute besitzt die Familie mit den Galo Resorts mehrere Hotels auf Madeira, zum Beispiel:
Galo Resort Alpino Atlantico und
Galo Resort Galomar

Wandern entlang der historischen Levadas
Doch es muss nicht gleich das Abseilen in Schluchten sein. Eine Levada-Wanderung kann schon aufregend genug sein. Mehr als 3.000 Kilometer dieser in den Felsen gehauenen Bewässerungskanäle verlaufen an steilen Berghängen und zerklüfteten Schluchten entlang und leiten das Wasser vom regenreichen Norden der Insel in den trockenen Süden. Ihre Ursprünge reichen bis ins 15.Jahrhundert.

Heute werden die einst zur Instandhaltung angelegten Pfade gern als Wanderrouten genutzt. Während manche breiten Spazierwegen gleichen, erfordern andere nicht nur Trittfestigkeit, sondern auch Schwindelfreiheit. Denn nicht selten führen die schulterbreiten Wege ohne Geländer am tiefen Abgrund entlang, und einige Levadas fließen zudem durch stockfinstere Tunnel.

"Nehmen Sie lieber diese Lampe mit", rät eine Mitarbeiterin beim Aufbruch zur "Höllenschlucht" und drückt den Wanderern eine große LED-Lampe zum Kurbeln in die Hand. Die Levada führt zunächst über Schwindel erregende Passagen am Steilhang entlang, immer wieder plätschern kleine Wasserfälle über den Weg.

Dann kommt der Tunnel. Überhängende Felsen, von oben tropfendes Wasser und die pechschwarze Dunkelheit machen die Durchquerung auf dem schulterbreiten Felssteg neben dem Kanal zum Balance-Akt, der höchste Konzentration erfordert. Ohne die starke Lampe wäre das nicht zu schaffen gewesen. Nach dem Tunnel wird die wildromantische Schlucht immer enger, bis die Levada an einem Gebirgsbach endet.
Spektakuläre Landschaft
Hier im Norden der Insel ist die Landschaft am spektakulärsten. Jeden Abend ziehen die Wolken vom Atlantik ins Tal von São Vincente und tauchen die steilen Berghänge in ein diffuses Licht. Bis hoch hinauf sind die Hänge terrassiert und mit Weinstöcken oder Gemüse bepflanzt. Der kleine Ort wirkt wie aus dem Ei gepellt. Die alten Häuser und die barocke Kirche sind herausgeputzt, die schmalen Gassen mit blauen Hortensien gesäumt.

Noch vor zwanzig Jahren war São Vicente von Funchal nur nach einer mehrstündigen Fahrt über abenteuerliche Bergstraßen zu erreichen. Aber nachdem Portugal 1986 der Europäischen Union beitrat, flossen enorme Summen in die Infrastruktur von Madeira. Heute ist die Insel mit zahlreichen Tunnels durchlöchert wie ein Schweizer Käse, die Fahrt nach Funchal dauert nicht mal mehr eine Stunde. Auch die Hauptstadt selbst wurde - dank EU-Mitteln - herausgeputzt und hat sich mit ihren Kirchen, Palästen und Bürgerhäusern viel von ihrem kolonialen Charme erhalten.
Quelle: SRT / Autor: Bärbel Schwertfeger


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Quelle:

Ein Kommentar
(
Gast schrieb: 06.09.10, 11:31 Uhr
Hab in diesem Sommer meine Liebe zum Wandern entdeckt, war aber bisher nur in Deutschland unterwegs. Aber mir scheint Madeira ein echtes Wanderparadies zu sein. Diese Levadas würde ich ja genr mal langwandern.
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