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Inseltipp
26.08.2010
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Bezauberndes Ischia

Lacco Ameno - Capri mag noch bekannter, Procida niedlicher, weil kleiner sein, Ischia aber ist die größte der Inseln im Golf von Neapel. Wir haben vom Hafen der Hauptstadt Kampaniens aus zu ihr übergesetzt.

Mit der Fähre über den Golf
Wer Giuseppe Galano zuhört, kommt nicht umhin, sich ebenfalls für seinen Geburtsort zu begeistern. Der junge Professor und Archäologe, der jeden Morgen mit der ersten Fähre nach Neapel und weiter zum dortigen archäologischen Museum pendelt, kann die Begeisterung für seine Heimat gleich in vier verschiedenen Sprachen kundtun. Viel Zeit verbringt der 39-Jährige aber nicht auf der Insel. Wie bei vielen anderen auf Ischia spielt sich sein Leben vorwiegend auf dem Festland ab.


Nach Hause auf die Insel
Es ist außergewöhnlich heiß heute, die Luft drückend. Hübsch gekleidete Frauen wedeln nervös ihre Fächer aus schwarzer Spitze hin und her, um wenigstens einen kleinen Windhauch zu erzeugen. Andere sitzen regungslos im Schatten, weil jede Bewegung zusätzliches Schwitzen verursacht. Hoffentlich hat das Schnellboot, das uns von Neapel aus in rund 40 Minuten über den Golf nach Casamiccio auf Ischia bringen soll, eine gut funktionierende Klimaanlage!

Es ist das letzte für diesen Abend. Und es sind nicht wenige Einheimische, die nach Hause auf ihre Insel wollen. Touristen, die bei einem Tagesausflug die antike Stadt Pompeji besichtigt haben oder nur zum Einkaufen ins brodelnde Neapel gekommen sind, sehnen sich nach Ruhe und Entspannung.
Drohender Vulkan bleibt zurück
Bedrohlich bleibt Neapels Hausberg, der Vesuv, zurück, als wir den Hafen von Neapel verlassen. Der letzte Ausbruch von Europas vermeintlich gefährlichstem Vulkan war 1944, aber Experten halten eine große Eruption zu jeder Zeit für möglich. Nicht nur Pompeji, auch andere Orte hat er immer wieder mit seinen Auswürfen zugeschüttet und dabei Tausenden von Menschen das Leben genommen.

Sagenhafter Nestor-Becher
Griechen und Römer haben Ischia in antiken Zeiten bewohnt. Wer in Lacco Ameno baut, erzählt Giuseppe Galano, finde in etwa acht Metern Tiefe oft noch Teile der im achten Jahrhundert vor Christus gegründeten griechischen Stadt Pithekoussai. "Genau hier", schwärmt der Archäologe auf dem Friedhof, "hat man den sagenhaften Nestor-Becher gefunden, auf dem der Liebesgöttin Aphrodite gehuldigt wird." Der Becher ist zusammen mit imposanten griechischen Amphoren und anderen Funden im sehenswerten Museo Archeologico Pithecusas ausgestellt.

"Alle hier sprechen ein bisschen Deutsch"
Ischia ist für sein heilendes Thermalwasser bekannt. Bezaubernde Buchten wie die von Lacco Ameno oder Sanmontano machen die in sechs Gemeinden aufgeteilte "grüne Insel" zum beliebten Urlaubsort. Es war in den 1950er-Jahren, als sich hier die internationale Schickeria traf. Die Zahl der insgesamt rund 56.500 Menschen auf der Insel erhöht sich laut Galano im Sommer "erheblich auf über 300.000", wenn etwa im Juli und August ebenfalls viele Italiener, vor allem Neapolitaner, ihren Urlaub hier verbringen. Ischia hat zugleich eine deutsche Tradition. "Alle hier", sagt Galano, "sprechen ein bisschen Deutsch, kaum einer Englisch."
Im Garten des Komponisten-Lord
Auf Ischia gibt es wunderschöne Gärten. Das Inselklima schafft ideale Bedingungen für das Wachstum exotischer Pflanzen. Im gegen Nordwind geschützten Forio an der Westküste stellt La Mortella für Liebhaber seltener Pflanzen eine Augenweide dar. Die Gartenanlage des berühmten englischen Komponisten Lord William Walton und seiner Frau, einer leidenschaftlichen Gärtnerin, ist unter Anleitung des Windsor- und Hyde-Park-Landschaftsarchitekten Russell Page entstanden.

Mehr als 700 verschiedene Pflanzenarten lassen sich in ihr bewundern, wobei 300 davon in Europa nur auf Ischia gedeihen sollen. Ein musikalischer Hauch weht heute noch durch La Mortella: Während der Saison finden zahlreiche Musikereignisse wie klassische Konzerte im von Lady Walton eigens im griechischen Stil entworfenen Freilufttheater statt.

Archäologisch wichtige Fundstätten
Wir müssen uns beeilen. Ein Streik droht. Die Regierungen haben es laut Galano in der Vergangenheit trotz der Notwendigkeit des Naturschutzes und der archäologisch wichtigen Fundstätten versäumt, eine, was das Bauen betrifft, sinnvolle Regelung zu treffen. Einwohner hätten deshalb ohne Erlaubnis beispielsweise sogar in den eigenen Weinbergen Wohnhäuser für ihre immer größer werdenden Familien errichtet.
Nun will Rom Soldaten schicken, um die betreffenden Häuser zu räumen. Und dagegen regt sich Widerstand, der Staus auf der Insel verursachen könnte. Womit Paul Allen kaum Probleme haben dürfte: Mit dem Hubschrauber landet der Microsoft-Mitbegründer gerade auf seiner 125- Meter-Superyacht "Octopus", die in der Bucht bei Lacco Ameno unter der Albergo della Regina Isabella ankert, in der wir untergebracht sind.

Auf schmalem Damm nach Roia
Auf Ischia liegen viele Orte am Meer, haben kleine malerische, mit dem Motorboot leicht anfahrbare Häfen. Wie Ischia Ponte an der Ostküste direkt gegenüber dem Castello Aragonese, einer spanischen Festung aus dem 15. Jahrhundert vor Christus. Farbige Häuser säumen auch den Fischerhafen von Sant'Angelo. Der Ort lebt von seinen Stränden, Thermalgärten und edlen Boutiquen, ist eigentlich so etwas wie der Inbegriff mediterranen Insellebens.

Vom "Neptunus" geht der Blick auf die kleine Halbinsel Roia, die über einen schmalen Damm mit dem Hafen verbunden ist. Gitarrenmusik erklingt. Der Inhaber des Restaurants rühmt sich früherer Gäste: Sängerin Tina Turner, "James Bond"-Darsteller Pierce Brosnan, Model Naomi Campbell…

Wie damals in den 1950er-Jahren
In dem Album, das er holt, sind Fotos von ihm samt Stars zu sehen. Einige Seiten sind noch leer. Ob es einmal wieder so wird wie damals in den 1950er-Jahren? Der Morgen, wusste schon der Spion Ihrer Majestät, stirbt bekanntlich nie.
Quelle: Fiona Grebe/KoCom
Foto: Grebe


Info Ischia
Mit rund 46 Quadratkilometern ist Ischia die größte der Inseln im Golf von Neapel. Wegen der üppigen Vegetation wird sie oft auch "grüne Insel" genannt. Höchste Erhebung ist der fast 800 Meter hohe Monte Epomeo. Bekannt ist Ischia für seine Thermalquellen.

Auf der Insel herrscht sehr mildes Klima. Die Winter sind feucht. Schönste Reisezeiten sind Frühjahr und Herbst. Von Deutschland aus ist man mit dem Flieger in knapp zwei Stunden in Neapel. Gleich mehrere Airlines bieten von fast allen größeren deutschen Flughäfen entsprechende Verbindungen an (alle Flugangebote auf Reisen.de), bei Liniengesellschafen aber mit Umsteigen in Mailand oder Rom.

Mit dem Auto sind für die rund 1.500 Kilometer lange Strecke bis Neapel mindestens 15 Stunden anzusetzen. Die etwa zehn Kilometer lange Überfahrt nach Ischia dauert mit dem Schnellboot rund 40, mit der Autofähre rund 60 Minuten.

Kulinarisch geht es auf der Insel eher mediterran-leicht zu mit viel Fisch und Meeresfrüchte-Gerichten, Reis, Nudeln und frischem Gemüse; eine Spezialität sind entsprechend zubereitete Kaninchen, die auf der Insel leben. Wie in allen italienischen Regionen gibt es auch in Kampanien, wozu Ischia gehört, sehr gute Weiß- und Rotweine. (fg)


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