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Ländertipp
23.08.2010
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Schlemmerziel Istrien

Istrien, die Halbinsel an der oberen Adria gegenüber von Venedig und Triest, ist fast 20 Jahre nach dem Ende Jugoslawiens zum Genießerreiseziel geworden, das sich an den Klassikern misst: Elsass, Toskana, Provence.

Genießerregion für Weinliebhaber und Trüffelfreunde
Gourmets aus der ganzen Welt reisen an, um Muschelrisotto und Drachenkopf vom Grill, Langusten und wilden Spargel neu zu entdecken. Die langjährigen Stammurlauber der FKK-Campingplätze an der Küste Istriens haben längst aufgehört, den Kopf zu schütteln. Viele sind selbst schon von den einstigen Cevapcici zur gratinierten Jakobsmuschel umgeschwenkt.

Zwei Hauben für „Damir & Ornela“
Mattea Beletic wetzt kurz ihre japanischen Messer, bevor sie blitzschnell zwei Seebrassen vor den Augen der Gäste zu Sashimi verarbeitet. Geschickt wie bei einem fernöstlichen Großmeister blitzen die Klingen in der winzigen Fisch-Konoba (eine Konoba ist ein kleines Restaurant mit landestypischen Gerichten) in der Altstadt von Novigrad. Schon hat die junge Frau die Filets mit einigen Tropfen Olivenöl und Zitrone mariniert.

Das war bereits die ganze Zubereitung: Ein großer Teil des fünfgängigen Menüs in dem kleinen istrischen Lokal besteht aus rohem Fisch. Wenn Matteas Vater Damir die nötigen Zutaten von den örtlichen Fischern mal einen Tag nicht in perfekter Qualität erhält, dann sperrt der frühere kroatische Handballstar lieber gar nicht erst auf. Die Gäste haben sich damit abgefunden, und die Gastro-Bibel Gault Millau offenbar auch: Ihr sind die Kochkünste von Tochter Mattea, Papa Damir und Mama Ornela zwei Hauben wert. Das Restaurant "Damir & Ornela" mag ein Unikum sein - ein Einzelfall ist es nicht.
Istriens Trüffelkönig
Das istrische Küchenwunder Giancarlo Zigante startete vor gut zehn Jahren mit einem Paukenschlag: Da gruben der Einheimische und seine Hündin Diana im Flusswald der Mirna die größte jemals gefundene weiße Trüffel aus: Sie wog über 1,3 Kilogramm und brachte 5.000 Euro. Die Welt der Feinschmecker horchte auf.

Heute ist Zigante Istriens Trüffelkönig. Hinter dem schmiedeeisernen Tor seines Restaurants im Dörfchen Livade öffnet sich eine Marmorloggia, aus dem Lautsprecher tönen Opernarien. Schwarz livrierte Weinkellner mit frisch gestärkten Kragenhemden servieren formvollendet Champagner und - natürlich Trüffeln. Nur der untersetzte Endfünfziger, der da etwas abseits in der abgewetzten Lederjacke steht, sieht so aus wie immer: Das ist Zigante selbst. Vermutlich läutet gleich wieder sein Handy, weil jemand ihm eine frisch gefundene Knolle anbietet. Dann startet er seinen Jeep und macht ein Bargeschäft.

Günstiger schlemmen als in Frankreich
Ein Billigland ist Istrien sicher nicht mehr. Pauschal 70 Euro für fünf Gänge verlangt Damir Beletic; er hat keine Speisekarte. Auch Zigante ist kein Preisbrecher, doch 30 Prozent unter den Preisen im Piemont und Perigord liegt er immer noch. Ein Trüffel-Probiermenü gibt es bei ihm für 23 Euro, drei Gänge kosten 45 Euro. Im Laden nebenan ist ein Gramm schwarze Trüffel für einen Euro zu haben, für die weiße Königin der Trüffeln verlangt er vier Euro.
Manches muss man selbst entdecken
Wer wie wir den Tipps von Einheimischen folgt, landet mal auf der schönsten Caféterrasse Istriens im Künstlerdorf Groznjan hoch oben auf einem Felsen über dem Mirnatal, mal in der romantischen Verkostungsstube des Olivenölbauern Klaudio Ipsa bei Oprtalj und dann wieder beim Baden an einem idyllischen kleinen Kiesstrand bei Umag. Es liegt ja alles nah beieinander.

Manches muss man freilich auch selbst entdecken. Wie die Konoba Astarea in Brtonigla: In diesem rustikalen Wirtshaus tischt Gastgeber Toni Kernjus handgerollte Fuzi-Nudeln auf, bringt frisch gebackenes Brot und Prsut, den istrischen Rohschinken, an den Tisch. Wo ist denn hier die Küche, fragt ein Gast. Die Antwort ist einfach: Es gibt keine. Lammkeulen, Fische, Pilze, Fleisch - Gastgeber Toni grillt alles am offenen Feuer unter der Peka, der traditionellen Erdfeuerhaube. Dort brutzelt in einer Spezialvorrichtung auch der abschließende Höhepunkt des Mahls - ein Apfelstrudel.

Quelle: SRT / Autor: Hans-Werner Rodrian


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