Veranstaltungstipp
28.07.2010
Mit dem Trabi auf Schlössertour
"Reng-deng-deng" klingt es unter der Plastik-Motorhaube hervor. Und plötzlich riecht es auch süßlich nach Zweitaktbenzin. Kein Zweifel - da fährt ein echter Trabi. Und alle Passanten schauen sich um. Wer mit dem "Plaste-Porsche" um die Mecklenburger Seenplatte kurvt, der gilt inzwischen als Attraktion. Und ein Trabikonvoi aus einem knappen Dutzend der historischen Gefährte allemal.
Trabi fahren ist nicht schwer. Oder doch?
Michael Nitzsche ist der Herr der Trabis. Drei Stützpunkte nennt er sein Eigen und hundert Trabis stehen bereit: geschlossen und als Cabrio, als Kübelwagen oder Kombi. Meine Begleiterin hat natürlich ein Cabrio gewählt und lauscht gerade gebannt der Einweisung.
Benzinhahn auf? Handbremse gelöst? Zwischengas gegeben? Dann kann es losgehen. Ältere Semester mit Erfahrung am Renault R4 freunden sich auch mit der Stangenschaltung schnell an. Die meisten anderen stochern gern mal hilflos auf der Kreuzung.
Das lässt dem Beifahrer Zeit, sich umzusehen: Einen See sieht man im Land Fleesensee trotz des Namens nur ganz am Rande. Dafür steht da zwischen den Golfplätzen ein echtes Hotelschloss, das Radisson Blu Resort Schloss Fleesensee, dessen Erbauer sogar ein Graf Blücher war, allerdings "nur" Cousin des Napoleon-Bezwingers. Und daneben gibt es viel wildes Ferienhaus-Wachstum zu entdecken: "Ferienhaushälfte zu vermieten" steht an einem Grundstück - die andere Hälfte ist noch im Rohbau. Die Trabis zuckeln vorbei an "Susannas Trattoria und Pizzeria" und dem "Fleesensee Outlet Shopping".
Nach der nächsten Kurve ist dann aber Ruhe. Eine Entenfamilie geht in Deckung, als wir in die erste Lindenallee eintauchen. Und dann folgt nur noch Landschaft. Wie beruhigend eine Gegend sein kann, in der kilometerlang die Weizenfelder rollen und kein einziger Mensch zu sehen ist, das weiß der Stadtmensch ja gar nicht mehr. Das "Roadbook", das jeder Beifahrer erhalten hat, sucht geradezu die kleinen Wege: über Betonschwellen, Pflasterstraßen, Kieswege führt die gebuchte "Schlössertour".
"Guten Tag", sagt die Schlossherrin, als elf Trabis hintereinander auf die Schlossallee nach Ulrichshusen einbiegen. "Mein Name ist Alla von Maltzahn." Man mag es kaum glauben, als die zierliche Frau ein Foto ihres Schlosses von 1990 zeigt: Da war der stolze Bau gerade abgebrannt, das Dach eingestürzt. Dort, wo damals drei Meter hoch der Schutt lag, erhebt sich jetzt eine große Halle, bei den mittlerweile berühmten Musikfestspielen tafeln darin 400 Gäste.
Über eine Wendeltreppe führt die Dame des Hauses die Besucher hinauf in luftige Höhen. Zurückhaltend-geblümte Romantik bezaubert in den Zimmern mit dem weiten Blick auf den Park. Und das Beste kommt erst noch: der Frühstücksraum. Er thront anstelle eines Ziegeldachs als Wintergarten auf dem Treppenturm. Ein Traum!
Ziel: Land Fleesensee
Nach einer Tagestour durch blühende Landschaften geht es abends zurück ins Land Fleesensee.
Dobber-Rüther wird nicht müde, die großen Erfolge im Land Fleesensee zu feiern. Im Jahr 2000 lag die Arbeitslosigkeit im Ort bei 37 Prozent, zehn Jahre und 92 Millionen D-Mark Subventionen später sind es gerade noch drei Prozent. Mehr als eine Million zufriedene Stadtmenschen haben hier Urlaub gemacht. Nur die knapp 2.000 Privatanleger, die damals jeweils mindestens 30.000 Mark investierten, sind dabei nicht ganz so glücklich geworden.
Statt der versprochenen fünf Prozent Rendite bekommen sie Jahr für Jahr nur einen warmen Händedruck. Ihr Künstlerpech: Sie haben sich nicht an den Hotels beteiligt, sondern nur an Golfplatz und Spa - und beide machen Verlust.
Quelle: SRT / Autor: Hans-Werner Rodrian
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