Reisen
23.07.2010
Hintertux: Abkühlen am Gletscher
Eisblau schimmert die Gletscherspalte über mir. Glatt wie geschliffener Marmor türmen sich ihre glasigen Wände auf, verschwinden nach oben im Halbdunkel. Aber hier unten auf dem Gletscherboden ist es erstaunlich hell: Eiszapfen funkeln, Eisgebilde leuchten geheimnisvoll.
Es ist ein verzauberter Weg, der da über Metalltreppen und -leitern durch den Gletscherbauch führt und meinetwegen die zeitgeistige Illumination in bunten Farben gar nicht bräuchte. Von der Hintertuxer Bergbahn etwas unpassend als "Natureispalast" vermarktet, fasziniert doch vor allem der Blick ins Innere eines Gletschers.
Oben auf der verschneiten Oberfläche kurven derweil die Unentwegten: Snowboarder und Skifahrer, die es auch im Sommer nicht lassen können. Aber der Großteil der Gäste am Gletscher hat heute nichts mit Carving im Sinn, sondern er sucht nur eines: Abkühlung. Wie wir. Als der Wetterbericht vergangenes Wochenende Sahara-Temperaturen um 35 Grad ankündigte, packten wir unsere Sachen und fuhren los: hoch in die Berge.
Wohlbefinden pur auf 1.500 Metern
Hundert Höhenmeter machen ein Grad Temperaturunterschied aus, sagt eine Faustregel. Und tatsächlich, als das arme Auto die tausend Meter von der Talsohle des Zillertals hinauf zum Hoteldorf Hintertux auf 1.500 Meter geschafft hat, ist auch das Thermometer um acht Grad gesunken. Einfach himmlisch, diese seidige Luft!
So herrscht heute Wohlbefinden pur. Zum Beispiel im Hotel Neuhintertux, das auf 750 Quadratmetern mit einem Gletscher & Spa Vitalbereich und Panorama-Schwimmbad verwöhnt. Auch der Berghof Hintertux bietet seinen Gästen eine große Panorama-Vitalwelt unter anderem mit römischem Dampfbad, Sole-Dampfbad und Kneipp-Tretbecken.
Im Ort ist praktisch jedes verfügbare Zimmer auf den Gletscher ausgerichtet. Er glitzert morgens beim Aufwachen ins Hotelzimmer. Dieses Licht! Es hat schon etwas ganz Eigenes. Klar, dass es dem Frühstück natürlich nur eins gibt: hinauf ins Eis!
Kühle Lust auf drei Etagen
Wir schnüren die Wanderschuhe und würdigen den kostenlosen Dorfbus keines Blicks. Viel schöner ist doch die kurze Strecke entlang des quirligen Tuxbachs zur Bergbahn. Vorbei geht's an einem schattigen Kinderspielplatz und an Europas höchstgelegener Thermalquelle.
Wer schon beim Gedanken daran ins Schwitzen kommt, der sei beruhigt: In das nostalgische Freischwimmbad mit den lustigen gelben Liegestühlen fließt das Thermalwasser frische 19 Grad kühl. An der Talstation der Seilbahn macht die elektronische Anzeigetafel kühle Lust auf drei Etagen: Für die erste Zwischenstation auf 2.100 Meter meldet sie 22 Grad, an der zweiten noch 16 und ganz oben auf 3.250 Meter gerade mal zwölf Grad im Schatten.
Schatten gibt's da zwar keinen, aber das macht nichts. Längst haben die Kinder den "Gletscherflohpark" mit Schneekarussell und Schneeschlauch-Rutschbahn entdeckt, während die Großen den halbstündigen Abstieg in die Gletscherspalte wagen. Und wenn sie dann noch ganz benommen von der glitzernden Eiszapfenwelt zurückkommen, dann ist der perfekte Zeitpunkt, Papa und Mama mit einem frisch geformten Sommer-Schneeball zu überraschen. Hmmm, das erfrischt!
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