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Inseltipp
19.04.2010
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Kvarner Bucht: Betörende Insel Rab

Auf der kroatischen Insel Rab belebt eine Schwarzwälderin fast vergessene Traditionen: Sie fertigt mit Urlaubern Liköre, Gewürze und Seifen. Kommen Sie mit auf eine kleine duftende Reise auf die südlichste Insel der Ferienregion Kvarner Bucht.

Das mittelalterliche Städtchen Rab
Vom Hafen zeigt sich Rab von seiner schönsten Seite: Vier Türme überragen das mittelalterliche Städtchen, das sich auf einer Landzunge der gleichnamigen kroatischen Insel erhebt. Fischerboote und Yachten dümpeln im kristallklaren Wasser, auf dem Markt Mali Palit kaufen Segelurlauber fürs Frühstück ein. So mancher bleibt dabei am Stand von Sonja Štokic stehen. Lavendel duftet, Zitronenlikör leuchtet, Gewürze sind in verzierte Gläser gefüllt, dazu gibt es Hüte, Westen, Schuhe und Taschen aus Filz.

Wollig-weiche Andenken zum Selbermachen
"Heute Workshop!", verkündet ein Pappschild über dem Stand. Gerade arrangiert ein kleines Mädchen mit Bedacht zerzupfte bunte Wolle auf einem Netz. Dann geht es ans Einseifen: Langsam verbinden sich dabei die Wollschichten zu Filz. Nach einer Viertelstunde ist das wollig-weiche Andenken an den Urlaub auf der kroatischen Insel Rab fertig - und die nächsten Interessenten sind stehen geblieben, sehen zu, wie Sonja Štokic mit einem alten Handrad die Wolle kämmt, und suchen sich dann Flicken nach ihrem Geschmack aus.

Es duftet nach Lavendel und Honig…
Sonja Štokic ist Mitglied des Vereins Mocira, benannt nach den handgeschichteten Steinmauern, die die Insel Rab kilometerlang durchziehen. 2009 haben sich einheimische Hersteller von Naturprodukten zusammengeschlossen, um gemeinsam ihre Erzeugnisse - von Lavendel über Brombeeren, Ziegenkäse, Wein und Honig bis hin zu Schafwolle - zu vermarkten. So ist auch die 50-jährige Deutsche auf dem Markt vertreten.
Vor 22 Jahren folgte sie ihrem Mann Franjo aus dem Schwarzwald auf die Insel. Die Erzieherin entdeckte auf Rab ihr Faible für Pflanzen und Natur: "Düfte machen mich einfach glücklich!" Sie forschte nach alten Rezepturen und begeisterte auch die Einheimischen für ihre Ideen: "Das Wissen ist seit Jahrhunderten da - es war nur verschüttet."

Aus den heimischen Kräutern und Früchten entstehen in ihrer kleinen Werkstatt Cremes, Schnäpse und Tinkturen. Olivenöl steht neben Honig, Lavendelzucker neben Sauerkirsch-Likör, Marmeladen und kandierten Früchten, Meersalz-Peeling neben Mandelöl-Seifen.

Süße Feigen als Zeichen der Gastfreundschaft
Viele der Zutaten wachsen vor der Haustür - entweder im Kräuter- und Obstgarten oder einfach rund ums Haus. Wer von dort hinunter zum Strand geht, der kommt an Lorbeer- und Granatapfel-Bäumen ebenso vorbei wie an Oleander und Feigen. Letztere werden nach der Ernte mit Lorbeerblättern aufgefädelt und getrocknet. "Bis Weihnachten hat sich eine zuckrige Schicht gebildet - die Früchte werden zusammen mit einem Schnaps als Zeichen der Gastfreundschaft serviert."

Ihren Gästen zeigen die Štokics gern, was Haus, Garten und Meer hergeben. Ein Besuch im Olivenhain endet mit einem Picknick samt Rotwein, Schafskäse und dem getrockneten Schinken Pršut, ein Spaziergang wird zum Heilkräuter sammeln genutzt.

Eine der schönsten Altstädte Kroatiens
Tatsächlich ist Rab - die südlichste Insel der Ferienregion Kvarner Bucht - zu vielseitig, um nur träge in der Sonne zu dösen. Die Altstadt, die als eine der schönsten Kroatiens gilt, bietet atemberaubende Ausblicke, Spazierwege folgen den felsigen Badebuchten, Wander- und Radtouren führen durch den alten Eichenwald Kalifront oder auf den Kamenjak, den höchsten Berg der Insel.

Dort bekommen Urlauber vielleicht auch ein paar Schafe zu Gesicht, die auf der Insel eine wichtige Rolle spielen. "Im Sommer ziehen sie sich wegen der Hitze ins bewaldete Hinterland zwischen Felsen und Dickicht aus Wacholder, Olivenbäumen und Steineichen zurück. Sie halten das Klima aber gut aus, weil Schafwolle sehr Temperatur ausgleichend ist", so Sonja Štokic.
Auf jeder der Inseln in der Kvarner Bucht hat sich eine eigene Rasse entwickelt. Die Skraparica-Schafe auf Rab zeichnen sich durch ihr schmackhaftes Fleisch aus, da sie zwischen den Felsen unzählige Gewürz- und Heilkräuter finden. Ihre Wolle wird nach der Schur gewaschen, gekämmt und meist gesponnen. "Früher strickten und webten die Frauen oder nähten Bettdecken aus der Wolle - Filzen hat eigentlich keine Tradition auf Rab", gibt Sonja Štokic lachend zu. Aber es ist einfach zu bewerkstelligen, macht Spaß und weckt Interesse an dem wahren Erbe der Insel.

Quelle: SRT / Autor: Sibylle von Kamptz



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