RE: Südfrankreich/ Nordspanien
Vor vielen Jahren sind wir von Pau über Saint-Jean-Pied-de-Port nach "Pampelune" gewandert. Ein tolles Erlebnis, wir waren weit und breit die einzigen Wanderer, mit einer Handvoll Gleichgesinnter in den Herbergen (z.B. Roncesvalles) abends zusammen.
...und dann ging's los: Shirley MacLane zog eine Welle von Amis nach sich, Frank Elstner dann Deutsche...und dann kam Hape Kerkeling und Zig-Tausende von Nachahmern - zum schlechten Schluss dann noch einige C-Prominente (Karrenbauer et al.) im Fernsehen.
Im letzten Juni waren wir dann ein Stück des Weges von Santiago de Compostela über Ponferrada nach León auf dem Camino unterwegs, diesmal aber mit dem Auto und mit vorgebuchten Hotels.
Angefangen in Santiago, da lagen ganze Völkerscharen platt vor der Kathedrale, ohne Chance auf ein freies Bett. Stadtauswärts begegnete einem dann direkt neben der Landstraße eine mit der Entfernung immer dünner werdende Kette von Wanderern. Auffällig war dabei, dass alle einsam vor sich hintrotteten mit gequälten, verbissenen Gesichtern, aus denen man schon von weitem sehen konnte, wieviel "Spaß" das Ganze machte - so Typ "Müsli" oder "pensionierte Lehrer(in)".
Ganz anders sah es bei den Mountainbikern aus. Schwatzend und lachend kamen sie einem in geschlossenen Gruppen entgegen - meist allerdings jüngere Leute (wobei auch einzelne richtig alte, knorrige, asketische Paare, die Männer mit weißen Bärten [gehört wohl dazu] mit Fahrrädern auftauchten).
Wir hatten unterwegs mit vielen gesprochen und alle klagten über den Massenandrang und vollbesetzte Quartiere. Den Radfahrern ging es da besser, da sie beweglicher waren und auch am Abend noch mal eben 10 km zu einem abseitigen freien Bett radeln konnten.
Nach diesen Beobachtungen würde ich auf jeden Fall dazu raten, den Camino mit dem Rad zu machen, die Tagesetappen gut zu planen und immer Hotels vorzubuchen.
Es gibt sicherlich viele andere Wanderwege in Europa, schöner als der "Camino" und nicht so total überlaufen. Wer das nicht aus Gründen der inneren Erleuchtung machen will, sollte sich eine andere Wegstrecke suchen.
Euer Wolfgang, der heilfroh war, auf dem Jakobsweg ein Auto dabeigehabt zu haben.
Geschrieben: 08.05.08, 11:10 Uhr
|