Cirali
Einen Urlaub der besonderen Art durften mein Mann und ich im letzten Jahr erleben. Auf unserer, bereits erwähnten, Besichtigung des Lykischen Weges, ein Jahr zuvor, fiel uns, in der Nähe der Ruinen von Olympos, ein wunderschön uriges Dörfchen auf. Umgeben von Orleandersträuchen und vereinzelten wilden Pistazien stand es scheinbar unberührt in der Ferne. Ein Gefühle von Einklang und Friede ging mit diesem Anblick einher. Von unserem Guide erfuhren wir, dass es sich bei diesem Idyll um das Örtchen Cirali handelt. Sofort stand unser Urlaubsziel für das nächste Jahr fest.
Wir buchten ein Doppelzimmer in einem der wunderschön verspielten Gasthäuser. Für zehn Tage sollte dieser gottvergessene Ort uns beherbergen. Obwohl nur 80 Kilometer südwestlich von einer Touristenmetropole wie Antalya gelegen, war dort von übermäßigem Tourismusrummel nichts zu spüren. Stattdessen wusste ein kleiner ruhiger Urlaubsort mit Palmen und Granatapfelbäumen, Restaurants, Kramläden, Souvenirgeschäften und Friseursalons und zu beeindrucken.
Das auch dieses Örtchen nicht zu einem Wallfahrtsort der Konsumgesellschaft verkommen ist, hat es der Caretta caretta, einer Meeresschildkröte zu verdanken. Prinzipiell dürfte Cirali aufgrund des Artenschutzes nicht existieren, doch die Rücksichtnahme der Bewohner sowie Urlauber und die flexible Auslegung der Gesetze machen die Existenz trotz allem nicht unmöglich.
Familiär geführte kleine Frühstückshotels und Pensionen dominieren in Cirali das Stadtbild. Meist sind sie nur mit maximal zehn Zimmern ausgestattet und verfügen über großzügige Gärten, welche gleichzeitig als Orte der morgendlichen Verköstigung fungieren. (Das größte Hotel im Ort ist ein Aida mit gerade einmal 19 Zimmern.)
Und so vergeht die Zeit im Ort scheinbar ungelöst von der hektischen Außenwelt. Man sitzt unter Zitronenbäumen und ergötzt sich dann und wann an dem frischen Duft von wildem Salbei und Thymian der einem immer wieder mit sanften Brisen um die Nase schmeichelt und glaubt, dass Adam und Eva es im Paradies nicht besser gehabt haben können.
Eure Inge.
Geschrieben: 11.06.09, 15:30 Uhr
|